Podcast: Die Schöne und das Biest. #19 Teresa Zimmermann

Was echte Führung verlangt

Gemeinsam gehen sie der Frage nach, warum Selbstführung eine zentrale Kompetenz für Führungskräfte ist und weshalb nachhaltige Veränderung in Organisationen oft dort beginnt, wo Menschen beginnen, sich selbst bewusster wahrzunehmen.

Ein Gespräch über innere Entwicklung, Verantwortung im eigenen Handeln – und darüber, warum Transformation nicht nur eine strukturelle oder strategische Frage ist, sondern immer auch eine Frage des Bewusstseins.

Über Teresa Zimmermann

Teresa Zimmermann ist High Impact Consultant & Leadership Authority – und sie setzt genau hier an. Mit einem wissenschaftlich fundierten, aber radikal praxisnahen Ansatz hilft sie Eigentümer:innen, Consultants, C-Level-Führungspersönlichkeiten und Personen öffentlichen Interesses, ihr eigenes Bewusstsein zu schärfen – und so ihre Wirkung zu maximieren.

Wir wollen nicht nur über das Bewussterwerden reden, wir wollen tatsächlich bewusster werden.
Senden Sie uns Feedback an dieschoeneunddasbiest@trainconsulting.eu.

Wer nicht hören will, muss lesen! Hier der Podcast zum Nachlesen:

»Die Schöne und das Biest. Warum schöne Organisationen die Welt verändern.«

Ein Podcast von Mari Lang und Trainconsulting Geschäftsführer Lothar Wenzl

Mari Lang: Teresa Zimmermann ist Bewusstseinsforscherin. Gemeinsam mit Lothar Wenzl von Trainconsulting hat sie unlängst die Universität Wien bei ihrem Transformationsprozess hin zu einer digitalen Universität begleitet. In dieser Podcastfolge sprechen wir darüber, welche Rolle das Thema Bewusstsein dabei gehabt hat, ob eigentlich jede und jeder für eine Führungsrolle geeignet ist und warum beim Führen persönliches Wachstum entscheidend ist. Viel Freude beim bewussten Hören.

Mari Lang: Heute wird es hier besonders spannend, wobei eigentlich ist das hier ja eh immer so, aber nein, heute wird es wirklich sehr spannend. Wir erweitern nämlich unser Bewusstsein, wobei auch das machen wir hier ja immer irgendwie, aber heute im ganz speziellen Sinn. Und bevor es jetzt ganz kompliziert wird, mein Name ist Mari Lang, neben mir sitzt

Lothar Wenzl: Lothar Wenzl.

Mari Lang: Willkommen zu einer neuen Podcastfolge von »Die Schöne und das Biest«. Und natürlich haben wir heute wieder jemanden eingeladen, und zwar Teresa Zimmermann. Hallo.

18. Juni
Now and Next

Zwischen Vision und Alltag entscheidet sich, ob Wandel trägt. Dieser Workshop unterstützt Sie, Transformations-Energie zu bündeln, Orientierung zu schaffen und Veränderung konsequent weiterzuführen.

Teresa Zimmermann: Hallo.

Mari Lang: Teresa, du bist Bewusstseinsforscherin, Unternehmerin und High-Level-Leadership-Mentorin. Du bist Begründerin von »The Core of More Life«. Und du und Lothar, ihr arbeitet schon eine Zeit lang zusammen. Mich würde jetzt interessieren, inwiefern und was hat das alles mit Bewusstsein zu tun?

Lothar Wenzl: Wir arbeiten seit mehreren Jahren zusammen. Und als ich Teresa Zimmermann kennengelernt habe über eine gemeinsame Freundin, die gesagt hat: »Ihr müsst unbedingt miteinander tun«, habe ich, und ich bezeichne es immer so, einen »Missing Link« gefunden für meine Arbeit. Und das ist die Arbeit am Bewusstsein oder an der persönlichen Entwicklung von Gestalter:innen, von Changemaker:innen, von Leadern, damit Veränderung, damit kollektive Verantwortung besser getragen werden kann.

Teresa Zimmermann: Genau. Und bei mir war es ergänzend dazu auf der anderen Seite so, dass, wenn man mit Menschen, die sehr viel Verantwortung, auch Macht, halten über Ressourcen, Menschen, große Zahlen, wenn man mit solchen Menschen arbeiten darf, dann ist immer diese Sollbruchstelle: Wie übersetzt sich das in deren System, in deren Organisation? Und somit habe auch ich einen »Missing Link« gefunden.

Mari Lang: Und mir wäre ganz wichtig, gleich zu Beginn eine Art Begriffsdefinition zu finden. Was genau ist denn mit Bewusstsein gemeint?

Teresa Zimmermann: Da gibt es unfassbar viele Möglichkeiten, das zu beschreiben. Das sogenannte Hard Problem, das schwierige Problem der Bewusstseinsforschung, ist, dass wir etwas beobachten, während wir es sind, während wir es leben. Wir können auf das menschliche Bewusstsein nicht von außen draufschauen. Das ist quasi der Grund, warum es so schwierig zu definieren ist. Es gibt aber ganz viele Definitionen und die für mich schönste ist: Je mehr Perspektiven ich verinnerlicht habe, also nicht nur kognitiv kapiere, sondern wirklich spüren kann, leben kann, mich hineinversetzen kann, desto Bewusstsein.

Mari Lang: Bevor wir darüber sprechen, was Bewusstsein mit Organisationsstrukturen und mit Führung und Organisationen überhaupt zu tun hat, ein paar Worte noch zu dir. Wie bist du denn überhaupt in diese Richtung gekommen? Was sind deine Hintergründe? Du arbeitest ja sehr interdisziplinär.

Teresa Zimmermann: Ja, absolut. Ursprünglich komme ich aus dem Branding, aus dem digitalen Bereich in der Entertainment-Branche. Das heißt, das ganze Dealmaking, große Zahlen, wie stellt man etwas so dar, dass es authentisch verstanden wird, wie kann man die Essenz von etwas so klar machen, dass jeder versteht, worum es geht. Und das Spannende daran war, dass ich irgendwann verstanden habe, dass ich mich parallel noch sehr viel mit fernöstlichen Konzepten beschäftige, unter anderem Ayurveda, und sehr viele Dinge in dem Bereich dann auch noch studiert habe und dann irgendwann verstanden habe, dass wenn man mit Künstlern arbeitet, Menschen, die auf der Bühne stehen und ein Millionenpublikum halten, dass die nichts anderes machen, als Emotionen zu skalieren. Und in Kombination mit all dem, was ich dann gelernt habe in den 20, 25 Jahren danach, habe ich verstanden, dass die Arbeit am menschlichen Bewusstsein bei Menschen, deren Aufgabe ist, Wachstum zu befördern, nichts anderes ist, als die eigenen Emotionen zu skalieren.

Mari Lang: Was heißt das? Was meinst du damit?

Teresa Zimmermann: Na ja, wenn ich Zuversicht halten kann, wenn ich das Gefühl habe, »das geht sich aus«, österreichisch gesagt, wie gebe ich das weiter? Weil wir haben natürlich operativ sehr viel zu tun, wenn eine Strategie schon da ist. »Ich möchte dort und dort hin, und ich habe mir etwas überlegt.« Dann geht es darum, das umzusetzen. Und wir brauchen diese operative Exzellenz. Wir brauchen aber auch die emotionale und Beziehungsexzellenz. Und das ist das, woran ich arbeiten darf und was natürlich dann uns sofort zum Thema Leadership führt und zum Thema: Wie macht man das in großen Systemen?

Mari Lang: Lothar, was war denn für dich der ausschlaggebende Punkt, dass du gesagt hast: Ja, Teresa ist der »Missing Link« und alles, mit dem sie arbeitet, ist genau das, was du brauchst in deiner Arbeit, um mit Unternehmen dann auch arbeiten zu können?

Lothar Wenzl: Also, es ist einerseits genau das, was sie schon gesagt hat. Das hat sie auch mir gesagt, so in etwa, natürlich in einem viel längeren Gespräch. Und es war mir sofort klar, bleiben wir bei der Definition von Bewusstsein, die sie uns gegeben hat: Je mehr Perspektiven ich halten kann, je mehr Emotionen ich halten oder skalieren kann, desto besser muss es natürlich dann möglich sein, große Systeme zu halten oder wie andere sagen, sie zu führen. Man kann dann mit der Komplexität ganz anders umgehen. Und letztlich habe ich dann für mich auch mit Teresa ein Bewusstseinsmapping gemacht, also mich einmal eingeschätzt auf all diesen Ebenen.

Mari Lang: Was ist da rausgekommen?

Teresa Zimmermann: Gescheit ist er.

Lothar Wenzl: Ich sage keine Zahl. Aber was für mich so unfassbar erhellend war, ich habe mein Leben völlig neu verstanden. Warum sind mir denn die Dinge passiert? Warum bin ich damals in diese Rolle gegangen? Warum habe ich diese Krise gehabt? Warum habe ich das gemacht? Ich konnte mir das ganz anders erklären und ganz andere Zugänge dazu gewinnen. Und natürlich heißt das vorne raus für meine Entwicklung, dass ich ganz neue Ansätze bekommen, wie ich meine eigene Entwicklung besser gestalten kann, sodass ich wieder mehr Verantwortung halten kann. Und das war für mich dann the proof of the pudding in the eating, zu sagen: Genau das brauchen die Gestalter:innen in dieser Welt.

Mari Lang: Teresa, du hast ja auch ein Programm gegründet das heißt »Die Architektur der Leichtigkeit, ein Leadership-Programm für Menschen, die gelernt haben zu führen«, steht auf deiner Webseite, und »ihre innere Klarheit in äußere Wirksamkeit potenzieren wollen«. Und wenn ich da jetzt zugehört habe und weiterdenke, gibt es denn so etwas wie eine Führungspersönlichkeit? Wenn du jetzt mit Bewusstsein arbeitest und ich habe jetzt viel gehört von Emotionen halten, skalieren, können und müssen, um dann große Organisationen auch leiten und führen zu können, braucht es da eine Voraussetzung?

Teresa Zimmermann: Das Framework, das ich da schaffen durfte, beschäftigt sich weniger mit Typologie, also im Sinne von Persönlichkeit, sondern mehr mit: Wie weit bin ich denn schon gewachsen? Man kann aus dem Ergebnis immer ungefähr die Typologie herauslesen. Das heißt, es steht einander überhaupt nicht im Weg, sondern ich sage immer: Wenn man einen Typus hat, dann legt das sozioemotionale Mapping, so heißt diese Methode, einfach nur eine Zeitlinie dazu. Das bedeutet: Wie weit habe ich mir denn schon Perspektiven erarbeitet auf die Art und Weise, wie ich bin? Und damit ist die Typenfrage ein bisschen obsolet, es geht gar nicht darum: Was bin ich für ein Typ? Sondern: Habe ich gewisse Perspektiven in meinem Leben bereits eingenommen und kann damit deswegen mit Leichtigkeit umgehen? Und das bedeutet, dass eigentlich jeder Mensch fürs Führen geeignet ist.

Mari Lang: Wie kann ich denn jetzt selber merken, ob ich mich gut selbst führen kann?

Teresa Zimmermann: Gute Frage.

Lothar Wenzl: Habe ich mir auch gerade gedacht.

Teresa Zimmermann: Lasst es mich ein bisschen eingrenzen. Selbstführung bedeutet, dass ich ein gewisses Bewusstsein darüber habe, Mindfulness. Ich kann mich dabei beobachten, was ich tue, und ich tue das regelmäßig. Und dann kann ich Schritte setzen: Okay, an der Ecke nerve ich mich eigentlich selbst. Oder wieso falle ich immer wieder in dieses Verhalten? Da beginnt Selbstführung. Das heißt: Ich lasse mich nicht aus. Und über diese Selbstbeobachtung komme ich in die Selbstführung. Das heißt, können tut das jeder. Die Frage ist nur: Habe ich den Skill gelernt? Und das bringt man uns so nicht bei.

Mari Lang: Ist es dann vielleicht auch so eine Unterscheidung zwischen »etwas fährt mich«, und, ich glaube, das kennt ja jeder, egal ob aus dem privaten Bereich oder auch aus dem beruflichen Feld, dass man plötzlich in etwas hineinkippt und dann hat man so das Gefühl »etwas fährt mit mir« und man kann eigentlich nicht aussteigen.

Teresa Zimmermann: Passagier aus dem eigenen Leben, genau.

Mari Lang: Genau. Und die Selbstführung ist dann eben dieses Beobachten und mich selber wahrnehmen dabei und auch entscheiden können, anderswo abzubiegen.

Teresa Zimmermann: Grundsätzlich ist das Wahrnehmen der erste Schritt. Das machen ganz viele Menschen manchmal in Reflexionsräumen. Viele Menschen schreiben oder erzählen den Menschen, mit denen man leben darf, wie der Tag war. Das ist Reflexionsarbeit. Selbstführung wird es in dem Moment, wo man es bewusst macht, um zu schauen: Was sind meine Verhaltensmuster? Und bin ich mit dem d’accord?

Inspiration Session-Rückschau

Lothar Wenzl: Wenn ich das jetzt umlege auf die Arbeit mit Führungskräften und auf mich selbst, dann wäre meine Antwort auf deine Frage: Beobachte ich bei mir, wenn ich in meine Selbstführung gehe, ob ich mich ins Spiel nehme oder nicht oder ob ich alles nach außen schiebe, die Umstände, die Menschen oder ob ich meinen Anteil selber erkennen kann an dem ganzen Spiel. Wir haben nämlich immer einen Anteil.

Teresa Zimmermann: Und das macht so schöne Beziehungen, wenn man diesen Anteil erkennen kann und nicht in das Othering fällt. Das bedeutet, ich gebe dem anderen die Schuld, warum das jetzt nicht ging. Und eine Volkskrankheit ist, dass wir gerne erklären, warum Sachen nicht funktionieren, anstatt in die Verantwortung zu gehen. Das ist diese konstante Verteidigungshaltung, die in unserer Kultur auch notwendig ist, weil wir sonst mit Dingen übermannt werden. Dann fährt etwas mit uns und wir sagen einmal: »Stopp, stopp, stopp, das geht nicht, weil«. Und wenn ich in dem Moment sagen kann: Ich habe das in irgendeiner Art und Weise mitgestaltet, dann kann ich mir überlegen: »Wie kann ich in die Verantwortung gehen? Okay, das geht so nicht. Aber was kann ich denn tun, wenn es so nicht geht?« Dann sind wir schon im Perspektivenwechsel. Und das ist ein Zeichen von einem Bewusstseinsgrad.

Mari Lang: Vielleicht noch ein bisschen konkreter: Woran habt ihr denn schon gemeinsam gearbeitet? Und was gab es da vielleicht auch schon für Erfolge, von denen man berichten kann?

Teresa Zimmermann: Das schönste Projekt der letzten eineinhalb Jahre ist die Zusammenarbeit mit der Führung der Universität Wien, sowohl mit dem Rektorat als auch den Führungspersönlichkeiten in den Tochterfirmen, die da direkt gemeinsam die, wie sie liebevoll sagen, sogenannte »harte Verwaltung« revolutioniert haben. Die haben gewisse Dinge jahrzehntelang, jahrhundertelang auf Handzetteln gemacht. Dann wurde das digitalisiert, das war dann möglicherweise einmal ein Excel. Dann musste das in ein großes System, SAP, und dann wurde es auf einmal transparent.

Credits: Marko Zlousic

Und was macht der Österreicher gerne, vor allem in der Führung? Er arbeitet gerne in Grauzonen. Da ist die Macht zu Hause. All diese informellen Möglichkeiten, die fallen dann natürlich weg, in dem Moment, wo es transparent ist. Das bedeutet, sich zu trauen, diese Dinge auch systemweit umzusetzen, ist ein Riesenpolitikum. Das macht, jetzt einmal wienerisch gesagt, »wöhn«, wenn man so etwas einführt. Und da ist es uns fantastisch gelungen. Ich habe unfassbar viel Systemvertrauen zurückbekommen über diese Menschen, wie sie führen und wie sie sich diesem Thema verschrieben haben und auch wirklich Perspektiven nicht nur dazugewonnen haben, sondern gewechselt. Da gab es teilweise Pivots von Menschen, die teilweise schon jahrelang in einer Führungsrolle stecken an der Universität Wien.

Und wenn dann jemand, der es immer schon auf die eine Art gemacht hat, auf einmal eine 180 Grad Kehrtwendung macht, das bedeutet, dass wir unsere Arbeit richtig gemacht haben, weil der Raum sicher genug war, um Menschen zu ermöglichen, nicht nur eine Kurskorrektur zu machen, sondern wirklich eine andere Perspektive einzunehmen. Das war sicher eines der schönsten Erfolgsgeschichten, was das betrifft, und hat auch zu feiern gehabt, dass die Universität Wien vor kurzem in die Top 100 Universitäten weltweit gestiegen ist.

Lothar Wenzl: Zum ersten Mal.

Transforming Organisations

für Top-Manager:innen, Unternehmer:innen und Gestalter:innen von Transformation

Teresa Zimmermann: Wir wissen, dass da ganz viele Kräfte zusammengespielt haben. Aber wir wissen auch, dass unsere Arbeit ein Teil davon war. Und das fand ich schön.

Lothar Wenzl: Was sich wahrscheinlich am meisten verändert hat, und das haben wir von Anfang an gemeinsam mit dem System befördert, ist, dass das Vertrauen über die Bereiche hinweg in eine tiefe, transparente Kooperation geht. Und ein erster Schritt dazu war, dass sie gemeinsam die Analyse verstanden haben und gemeinsam daraus eine Vision gebaut haben, wie es denn sein soll, wenn alles gut ist.

Mari Lang: Wenn ich euch so zuhöre, dann habe ich sofort den Gedanken, dass es ja gesamtgesellschaftlich ganz viele Themen gibt, wo es kaum Bewegung gibt. Das sind brennende Themen wie Klimawandel, Gleichberechtigungsfrage und so weiter und so fort. Und ich frage mich jetzt gerade, und ich erwarte mir keine Antwort, weil sonst hättet ihr wahrscheinlich den Nobelpreis in mehreren Bereichen euch verdient, aber ich frage mich gerade jetzt auch bei dem Beispiel mit der Universität: Es braucht doch diesen Moment, wo es so einen Knackpunkt gibt, also wo man die Menschen, die beteiligt sind, plötzlich erreicht, irgendwo auf einer anderen Ebene. Wie habt ihr das jetzt am Beispiel der Universität geschafft mit Menschen, die seit Jahrzehnten sagen: »Das haben wir immer schon so gemacht, das war so«, und die vielleicht nicht intrinsisch eine Bereitschaft zur Veränderung haben, denn wir Menschen wissen ja: Veränderung braucht immer Mut, das ist unbequem. Wann gab es den Knackpunkt oder wie habt ihr den überhaupt erreicht?

Teresa Zimmermann: Die eine klare Antwort ist schwierig, aber wir können natürlich erzählen, was unserer Erfahrung nach gut funktioniert, wo die Erfolgschancen recht hoch sind. Das Erste ist immer, Vertrauen aufzubauen, und zwar mit jeder der handelnden Personen. Das passiert am besten im Einzelgespräch. Ich arbeite, wenn ich es mir aussuchen darf, grundsätzlich so, dass ich jede Person one-on-one, also einzeln, kennenlerne. Und da ist es meine Aufgabe, dieses Vertrauen aufzubauen, indem ich wirklich zuhöre. Ich habe die Gabe, Menschen sehr gut lesen zu können. Das ist mein Job. Und über dieses »den Menschen wirklich sehen und in Resonanz gehen«, entsteht Vertrauen.

Erst dann, wenn das Vertrauen mit jedem einzelnen Menschen aufgebaut wurde, bringen wir sie gemeinsam in einen Raum, da sie uns bereits vertrauen. Das ist grundsätzlich die Basis und erst dadurch wird der Raum sicher. Dadurch hat der Raum ein Momentum und eine Dynamik, die neu ist, diese Beziehungsexzellenz ist quasi, dass der Boden aufbereitet ist. Auf das kommen dann ganz konkrete Tools. Auf meiner Ebene heißen die Psychotechnologies. Eine Psychotechnologie ist nichts anderes als etwas, was eine Veränderung im Denken ermöglicht, und zwar eine nachhaltige. Das ist jede Art von Reflexionsgespräch zum Beispiel, wo man eine neue Perspektive bekommt und die auch spüren kann. Und dann kommen Tools von Lothar dazu.

Lothar Wenzl: Ich bleibe jetzt noch einmal bei dem Punkt mit Vertrauen. Ganz wichtig ist, dass wir dieses Vertrauen, das wir dort brauchen und das auch die Organisation braucht, selber leben können. Wir müssen aus diesem Vertrauen bereits hineingehen. Wir müssen vertrauen, dass das geht. Und dafür müssen wir natürlich vorher einiges tun, damit das geht.

Teresa Zimmermann: Da gibt es ein schönes Zitat, das ich in die Tage ganz oft bringe: »I don’t have a to-do list, I have a to-be list.« Und das hat mich unfassbar geprägt, weil ich dann verstanden habe: Bevor ich den Raum betrete, überlege ich mir: Als was betrete ich den Raum? Welche Qualität ist es? Welche Emotion? Weil wenn ich da hineingehe und ich weiß, ich strahle das aus, dann weiß ich auch: Ich bin für diese Geschichte die Erfolgsgarantie und das ist die Zuversicht, von der du gerade gesprochen hast, Lothar.

Lothar Wenzl: Und das ist das, was uns eigentlich von Anfang an geeint hat. Mein Begriff dazu heißt: Haltung entscheidet alles. Unsere eigene Haltung entscheidet, ob ich ein Tool anwende oder ob ich an diese Großgruppe glaube. Aber da muss ich daran glauben, dass das auch funktioniert, das meine ich mit Vertrauen. Und wenn ich jetzt noch einmal zum Thema von vorhin abschweife: Wir bauen Vertrauen im Einzelgespräch auf. Das geht natürlich in Organisationen mit den Entscheider:innen nicht nur bedingt. Die müssen ja auch entscheiden: Braucht es diese Veränderung? Dann geht es natürlich darum, repräsentativ in der Organisation zu arbeiten, mit Ausschnitten, mit Repräsentant:innen des Systems, um dort auch wieder Vertrauen zu erzeugen und mit denen dann ins Tun zu kommen.

Teresa Zimmermann: Ich würde total gerne noch Bezug nehmen auf etwas, was du vorhin gesagt hast. Was ist denn die Möglichkeit? Wie geht denn das überhaupt, Menschen dort abzuholen, wo sie sind? Und über das Mapping, das ist die Analysemethode, die ich machen darf, erkenne ich das so klar, wie viele Perspektiven ein Mensch schon eingenommen hat. Da gibt es dann sogenannte Soft-KPIs. Es gibt Zahlen dazu und so weiter. Das ist ganz transparent und präzise.

Mari Lang: Wenn man sich mehr für dieses Mapping interessiert: Wo findet man denn noch mehr Informationen? Auf deiner Website?

Teresa Zimmermann: Auf meiner Website, ja.

Teresa Zimmermann: Wenn ich dieses Ergebnis habe, dann weiß ich genau: Was ist denn der nächste kleine Schritt, der in der Entwicklung geht? Und wenn ich den abhole, bin ich in der Leichtigkeit, weil dann verlange ich nicht so viel von mir selbst oder meinem Gegenüber. Ich schieße auch nicht mit Kanonen auf Spatzen oder mache irgendetwas, was nicht anschlussfähig ist. Der ganze Wertediskurs ist so oft nicht anschlussfähig, weil nur 25 Prozent der Menschen so weit entwickelt sind, dass sie Werte spüren können. Für die anderen ist es ein kognitives Konzept. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Wert hernehme wie Transparenz: Jemand, der sozioemotional sehr jung ist, wird das interpretieren als »Damit stehen mir alle Informationen zu.« Jemand, der sozioemotional älter ist, wird das interpretieren als: »Aha, jetzt gibt es ähnlich vernünftige Handbücher, wo das steht, damit ich das jederzeit finden kann, wenn ich es brauche.« Jemand, der noch reifer ist, wird sagen: »Okay, das bedeutet, ich darf mein Gegenüber auch emotional verstehen. Das interessiert mich nämlich.« Und somit ist der Wert, der hier diskutiert wird, für drei verschiedene Menschengruppen in Lebensphasen etwas ganz anderes.

Und die einzige Möglichkeit, um das überhaupt greifbar zu machen, apropos Psychotechnologie, ist: Ich muss dahinter trackable behaviors setzen. Was heißt das, wenn ich diesen Wert lebe? Wenn ich diesen Wert verkörpere? Was bedeutet es, Vertrauen zu verkörpern? Ich muss konsistent sein. Ich muss in die Prozesskommunikation gehen. Ich muss schauen, dass das, was ich tue, auch dem entspricht, was ich sage, etc. Aber erst, wenn ich das für einen Wert habe, ist der Wert anschlussfähig. Und damit kann ich dann schauen: Das, was ich hier vorleben möchte, ist das überhaupt möglich für mein Gegenüber? Kann das das schon? Oder verlange ich hier zu viel? Und was ist die Brücke und der nächste kleine Schritt, wenn da ein Gap ist?

Mari Lang:  Ich versuche es runter zu brechen, weil ich finde, dass das Thema, über das wir heute sprechen schon sehr, sehr komplex ist. Du hast den Begriff Sozioemotionalität eingebracht. Wir sprechen über Bewusstsein. Und das, was mir jetzt gekommen ist, ist: Menschen sprechen unterschiedliche Sprachen. Weil wenn du sagst Werte, dann verstehen drei Menschen etwas anderes darunter.

Teresa Zimmermann: Natürlich.

Mari Lang: Und ihr sagt, das hat etwas mit einem Bewusstseinszustand zu tun.

Teresa Zimmermann: Es hat mit der Bewusstseinsstufe zu tun. Bewusstseinszustand ist die Emotion, die ich jetzt gerade im Moment habe. Bewusstseinsstufe ist die Emotion oder der Cluster an Emotionen, in dem ich meistens bin, wo ich wieder zurückfalle, wenn ich es gerade super gehabt habe oder ganz blöd, da, wo wir meistens unterwegs sind. Das lässt sich messen. Und je nach Bewusstseinsstufe habe ich eine ganz andere Brille auf. Wenn ich das einmal verstanden habe, dann ist es total einfach, einen Wert für verschiedene Bewusstseinsstufen anschlussfähig zu machen. Um das vorneweg herauszunehmen: Eine Bewusstseinsstufe ist eine Entwicklungsstufe. Das ist also nichts Statisches, sondern es ist eine Momentaufnahme.

Dann kommen wir sofort wieder in dieses Selbstoptimieren: Wie komme ich denn da weiter? Und das Wichtigste daran zu erkennen ist: Jede Bewusstseinsstufe hat unfassbare Ressourcen und ist extrem wertvoll, weil sie den Fokus woanders hinlegt. Zu sagen, dass die eine Stufe besser ist als die andere, ist ungefähr so, wie wenn man sagt: Ein vierjähriges Kind ist besser als ein zweijähriges. Das ist nicht so. Es hat nur mehr Handlungsspielraum, weil es mehr Erfahrung gemacht hat. Das heißt, es korreliert schon oft auch ein bisschen mit dem Lebensalter, aber nicht zwingend. Ich sage ab 30 ist es dann frei. Dann bleiben Leute gerne stehen und entwickeln sich horizontal. Das vertikal Entwickeln in eine weitere Bewusstseinsstufe machen wirklich nur Menschen, die Lust haben, sich andere Perspektiven anzuschauen.

Mari Lang: Und ich höre jetzt aber: Diese Entwicklung vertikal wäre gut für Führungspersönlichkeiten?

Teresa Zimmermann: Das wäre gut. Wie gesagt, grundsätzlich entwickeln wir uns sowieso vertikal weiter. Wir entwickeln uns auch horizontal. Wie steil die Kurve ist, ist hochsubjektiv und das muss auch angenehm sein. Es gibt Menschen, die haben total Lust darauf, sich in alles reinzuwerfen und Dinge auszuprobieren, andere Leute haben das Gefühl: »Boah, bloß nicht«. Jemanden, der eher von der »Bloß nicht«-Fraktion ist, dazu zu pushen, bringt nichts.

Mari Lang: Aber da muss ich jetzt trotzdem nachfragen: Was passiert, wenn ihr mit Unternehmen arbeitet, wo die Führungspersönlichkeit eine »Bloß nicht«-Persönlichkeit ist? Wie kommt man denn dann weiter? 

Teresa Zimmermann: Nicht für Führung geeignet. Ganz einfach.

Mari Lang: Das sagt ihr dann auch?

Lothar Wenzl: Ich sage einmal vorher noch etwas und komme zu dieser Frage zurück, weil das ist ja nichts Absolutes. Die Frage ist: In welcher Rolle bin ich? In welcher Rolle bin ich und habe ich für diese Rolle den Handlungsspielraum, den Perspektivenraum, den ich brauche, um hier wirksam zu werden und individuelle und kollektive Verantwortung zu übernehmen? Das ist die Frage. Und wenn wir in Organisationen sehen, dass es hier jemanden gibt, nehmen wir einmal den Vorstand oder die paar Vorstände, die das noch nicht halten können, dann kann man es natürlich rückmelden. Man wird sagen: »Was brauchst du, damit das geht?« Meistens haben die eh ein Gefühl von »Wir schaffen momentan nicht das, wo wir hinmüssten.« Die Leute sind ja meistens sehr, sehr klug. Wenn sie dann noch Unterstützung haben, darauf zu kommen, was das ist und was ein nächster guter Schritt wäre, was sie voneinander brauchen, dann haben wir schon einen ganz, ganz wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Aber die Frage bleibt: Hat diese Person hat dieses Team an unterschiedlichen Personen den Handlungsspielraum, um ihre Rolle, ihre Aufgabe bestmöglich zu erfüllen? Da müssen wir natürlich ein Stückchen in die Bewertung gehen, in die Selbstbewertung und auch in die Bewertung, weil die haben eine größere Verantwortung, oft für Tausende, oft für Millionen von Menschen.

Teresa Zimmermann: Vielleicht ist das schönere Wort Transparenz. Die Frage ist: Traut man sich, hinzuschauen? Wenn ich weiß, ich hätte gerne 80 Prozent horizontale Entwicklung und 20 Prozent vertikale, dann ist die Frage: Für diese Position, in der ich bin, ist das angemessen und für das, was wir erreichen dürfen, sollen, müssen? Oder muss ich sagen: Da muss ich mich jetzt bei der Nase nehmen und dem stelle ich mich jetzt. Oder dann mache ich den Platz frei? Das ist ja einfach nur eine Frage von: Passt es? Ist es stimmig?

Lothar Wenzl: Ich möchte noch einen Satz dazu sagen, damit das nicht zu sehr externalisiert oder othering wird: Die Führungskräfte sind oder sind nicht. Das gilt für uns selber auch. Habe ich die Kapazität, mit einem System im Moment zu arbeiten?

Mari Lang: Und das ist so spannend, weil damit schließt sich ein bisschen der Kreis, weil meine Antwort auf all die Fragen, die ihr da jetzt auch in den Raum geworfen habt, ist: Dafür brauche ich das Bewusstsein.

Teresa Zimmermann: Ja, schön gesagt. Ja, absolut.

Lothar Wenzl: Und das ist das »Missing Link«, von dem ich zu Beginn besprochen habe.

Mari Lang: An dieser Stelle muss ich sagen, weil es passt so gut: Wir sind hier im Missing Link Studio, Podcast Studio.

Teresa Zimmermann: Das ist mir heute auch schon aufgefallen, als ich die Adresse gelesen habe.

Mari Lang: Teresa, wir sprechen am Ende dieses Podcasts auch immer über Werte. Wir bitten unsere Gäst:innen immer einen Wert oder ein Prinzip dazulassen. Und jetzt tue ich mir ein bisschen schwer bei der Frage, weil nach allem, was ich jetzt gehört und gelernt habe, sagst du jetzt ein Wort und jetzt wird mir bewusst, dass jede und jeder ja immer das darunter versteht, was gerade so passt. Das ist eigentlich total schwierig.

Teresa Zimmermann: Also, ich soll jetzt ein Wort sagen?

Mari Lang: Einen Wert, der dich in deinem Leben antreibt.

Teresa Zimmermann: Das ist ganz einfach: Die Liebe.

Mari Lang: Da hast du heute schon ausgeführt, dass da ja ganz viel darunter unter diesem Schirm drinnen steckt.

Teresa Zimmermann: Da passt alles rein.

Mari Lang: Vielen Dank, Teresa, für den Besuch. Und vielleicht das noch: Alle Infos zu deinem Leadership-Programm, die »Architektur der Leichtigkeit« findet man auch auf deiner Webseite. 

Lothar Wenzl: Auch alles zu dem Modell »The Core of My Life« findet sich dort. Und Berichte über die Arbeit, die wir machen, finden sich auch auf unserer Trainconsulting Website.

Mari Lang: Wenn euch der Podcast gefällt, dann freuen wir uns, wenn ihr auch bei der nächsten Folge wieder mit dabei seid. Und um diese nicht zu verpassen: Abonniert »Die Schöne und das Biest« am besten gleich und gebt am besten eine Fünf-Sterne-Bewertung ab. Wir und unsere Gäst:innen freuen uns darüber und sagen jetzt: Bis bald.

Lothar Wenzl: Dankeschön.

Portrait von Lothar Wenzl

Lothar Wenzl

Systemischer Unternehmensberater für tiefgreifende Transformationsprozesse, die schöne und erfolgreiche Organisationen gestalten helfen.

l.wenzl@trainconsulting.eu
+43 664 150 23 70

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