Führung braucht ein waches Auge

Corona hat auch die Prioritäten in der Arbeitswelt verändert. Welche Führungsaufgaben jetzt und nach der Pandemie im Mittelpunkt stehen, diskutiert Susanna Achleitner im Report(+)PLUS-Interview mit Angela Heissenberger.


(+) plus: Welche Herausforderungen brachte die Pandemie für Führungskräfte?

Susanna Achleitner: Zunächst ging es darum, die Bedeutung der Krise für die eigene Organisation zu erfassen. Wir haben in den Unternehmen völlig unterschiedliche Auswirkungen erlebt. Manche Bereiche kamen völlig zum Stillstand, andere konnten sich vor lauter Arbeit kaum retten und waren völlig überlastet, wie zum Beispiel HR oder IT. In dieser ersten Phase waren Führungskräfte gefordert, den Mitarbeiter*innen im Homeoffice die nötige Hardware zur Verfügung zu stellen.

Es mussten Regelungen für die neue Situation geschaffen, Testungen organisiert, getrennt arbeitende Gruppen gesteuert, tägliches Krisenmanagement mit infizierten Kolleg*innen und Erkrankten, Abläufe und Geschäftsprozesse digitalisiert, gleichzeitig aber das Geschäft mit Dienstleistungen und Produktion aufrechterhalten werden.

(+) plus: Welche Aufgaben hat Führung in der Krise?

Achleitner: Die Hauptaufgaben von Führung sind immer, sich und andere zu führen, Entscheidungen zu treffen und die Organisation zu steuern. In einer Krisensituation hat Führung mit hoher Komplexität zu tun. Dafür braucht es unterschiedliche Methoden und Zugänge. Im Schatten der Pandemie stellt sich zum Beispiel die Frage nach Resilienz vollkommen neu. Führungskräften, die bis jetzt gut durch die Krise gekommen sind, ist das sehr bewusst. Corona brachte zunächst die Erkenntnis, dass Planbarkeit zum Teil eine Illusion ist. Gleichzeitig brachte es Remote Work und einen Technikboost.

Führungskräfte sollten sich unbedingt einen persönlichen Digitalisierungsschub verpassen. Am Beginn steht die Frage: Wie kann in der digitalen Welt Kommunikation gelingen? Wie schaffe ich Formate, in denen Austausch, Feedback, Dialog, der Austausch zu kritischen Themen möglich wird? Break-outs, Chat und Audience Response Tools sind Werkzeuge, mit denen Führungskräfte sich vertraut machen können.

(+) plus: Welche Kompetenzen braucht es dafür?

Achleitner: Besonders wichtig für Remote Work sind außerdem klare Vereinbarungen, sowie Vertrauen statt Kontrolle. Es ist extrem beeindruckend, wie viel Selbstorganisation im vergangenen Jahr sichtbar wurde. Führungskräfte sollten das wertschätzen und in Zukunft für Rahmenbedingungen sorgen, die Selbstorganisation besser als bisher ermöglichen. Das wäre ein wichtiges Learning, um zukünftige Herausforderungen meistern zu können.

Was im Office sichtbar ist, bleibt bei Remote Work oft verborgen. Wie kann es Führung trotzdem gelingen, wahrzunehmen, wenn ihre Mitarbeiter*innen in einen gesundheitsschädlichen Arbeitsrhythmus gezogen werden? Wie nehmen sie wahr, wenn Mitarbeiter*innen in eine psychische Krise schlittern? Und was ist dann zu tun? Diese Fragen waren immer schon wichtig – heute sind sie erfolgsentscheidend.

In Phasen so grundlegender Veränderung braucht es einen Mix aus klaren Ansagen und mehr Dialog. Entscheidungsprozesse, die bisher in Präsenzmeetings stattfanden, brauchen im virtuellen Raum ein anderes Setting. Die Kernaufgabe von Führungskräften ist, diesen Rahmen zu gestalten und diese Prozesse zu steuern.

Lesen Sie hier das komplette Interview: Artikel im Report(+)PLUS

Susanna Achleitner

Susanna Achleitner

Organisationsberaterin, Führungskräftecoaching zu Leadership und Change, langjährige Erfahrung als Führungskraft, Expertin für Leadership & Leadership Development
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