Interview mit Wolfgang Braunböck

Gespräch mit Wolfgang Braunböck, Vice President Human Resources Eastern Europe, CIS, Middle East and Africa bei Oracle.

„Positive Leadership” ist ein relativ neuer Weg, um Führung wirkungsvoller, nachhaltiger und auch leichter zu machen. Positive Leadership beruht auf den theoretischen Grundlagen systemischen Denkens und auf den Erkenntnissen und Methoden der „Positive Sciences“, vor allem der Positiven Psychologie. In manchen Organisationen hat sich dieser Zugang bereits bewährt. Ruth Seliger hat mit einigen von ihnen gesprochen und sie zu ihren Erfahrungen befragt.

Hier das Gespräch mit Wolfgang Braunböck, Vice President Human Resources Eastern Europe, CIS, Middle East and Africa bei Oracle:

Herr Braunböck, Sie sind seit über 15 Jahren in verschiedenen Positionen bei Oracle tätig und aktuell für alle HR-Agenden von Russland bis Südafrika verantwortlich. Seit vielen Jahren führen Sie Ihren Bereich mit mehr als 50 MitarbeiterInnen nach den Prinzipien von Positive Leadership. Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie Ihr Führungsverständnis nach den Prinzipien von Positive Leadership gestaltet haben? Gab es einen Auslöser?

Ich wurde bei einem Workshop über Positive Leadership von Trainconsulting mit den Ideen von Positive Leadership konfrontiert – vor allem die Ideen, sich auf die Stärken von Mitarbeitern und der eigenen Organisation zu fokussieren, hat das vorherrschende Dogma, Schwächen auszumerzen, in Frage gestellt. Ich hatte einige Zeit gebraucht, um dieses veraltete Dogma zu hinterfragen und mich auf die Stärken zu fokussieren.

Wie waren Ihre ersten Schritte in diese Richtung?

Ich habe alle meine Mitarbeitergespräche nur noch stärkenbasierend geführt, alle meine Mitarbeiter mussten den Stärketest von Marcus Buckingham machen, da ich wissen wollte, welche Stärken ich im Team habe und wie ich diese Stärken in Zukunft nutzen kann.

Wie haben Ihre Mitarbeiter darauf reagiert?

Sie waren verwirrt, verstört, aber mit der Zeit begeistert – gleiche Phasen, die ich auch durchlebt habe.

Wie hat Ihr Unternehmen darauf reagiert? Immerhin ein US-Konzern mit klaren Richtlinien...

Am Anfang gar nicht – ich hatte die Freiheit, es in meinem Team umzusetzen, und ich habe dies ohne viel Unternehmens-Kommunikation getan. Wir haben es aber in 18 Monaten geschafft, die Ideen dem Senior Leadership Team für die Region näherzubringen. Das wurde sehr positiv angenommen.

Was hat sich für Sie selbst verändert – für Ihr Führungshandeln, für Ihre Befindlichkeit?

Ich führe heute noch viel erfolgreicher als früher und versuche bei jeder Organisationsänderung, die Stärken meines Teams zu berücksichtigen, im Speziellen wähle ich Mitglieder für ein zukünftiges Projekt-Team nur mehr aufgrund der Stärken, die im Team benötigt werden, aus. Führung macht definitiv viel mehr Spaß, auch in unangenehmen Situationen.

Was ist für Sie heute der größte Unterschied zwischen „vorher“ und „nachher“?

Ich denke, dass ich immer schon ‚positiv' geführt habe, mache dies jetzt aber viel bewusster und intensiver und versuche öfters zu reflektieren und neue Ideen einzubauen.

Was macht für Sie die Kraft von Positive Leadership aus? Was „kann“ das?

Schwierig, die Frage zu beantworten, denke aber, dass sich der positive Führungsstil über die Zeit auch innerhalb des Teams auf unterschiedliche Bereiche, wie hervorragende Zusammenarbeit, wertschätzenden Umgang im Team als auch positive Ausstrahlung zu Mitarbeitern und Managern auswirkt. Das Feedback über mein Team ist hervorragend und auch der Unterschied von vorher zu nachher ist gewaltig, gerade am Beispiel des MEA HR-Team, das ich vor zwei Jahren übernommen habe. Ich denke, dass jeder und jede im Team Freude in ihrem Job hat, und die Fluktuationsdaten und das Feedback bestätigen das auch.

Was würden Sie einer Führungskraft oder auch einer Organisation empfehlen zu tun, um eine wertschätzende Führungskultur zu gestalten?

Ich würde jedem empfehlen, seinen jetzigen Führungsstil zu reflektieren und speziell die Kommunikation zu seinen Mitarbeitern wie auch im Team zu überprüfen. Führung ist Kommunikation und die ist oft nicht wertschätzend, ich würde sie in manchen Fällen sogar als sehr negativ und herabwürdigend bezeichnen – das sind zumindest Beobachtungen, die ich im Unternehmen gemacht habe. Der Druck im Unternehmen ist in den letzten 10 Jahren massiv gestiegen, was zu einer immer schnelleren und auch negativeren Kommunikation geführt hat, da sich auch die Kommunikationskanäle verändert haben. Schriftliche Kommunikation via Email fördert wertschätzende Kommunikation nicht wirklich, dies sollte überprüft werden. Mit einer wertschätzenden positiven Kommunikation schaffe ich Vertrauen und erreiche so einen Leistungszuwachs. D.h.: Positive Führung führt zu besseren Leistungen über eine gesteigerte Leistungsbereitschaft.

Gibt es noch etwas, das Sie zu dem Thema noch gerne sagen möchten?

Ich finde Positive Leadership eine wichtige Komponente in Unternehmen. Eine sehr interessante neue Disziplin ist auch Positiv Psychologie und die Erfolge, die hier schon erreicht wurden, welche die Effekte bei Positive Leadership nur bestätigen. Ich möchte mich auch bei dir ganz herzlich bedanken, dass du mich vor Jahren auf diese sehr interessante Reise mitgenommen hat und mir viele positive Inputs über die letzten Jahre, fast schon ein Jahrzehnt gegeben hast, welche maßgeblich zum Erfolg von Positive Leadership beigetragen haben.

Wolfgang Braunböck ist seit 1997 bei Oracle in verschiedenen Positionen tätig, leitet derzeit ein Team von mehr als 50 MitarbeiterInnen und ist für alle HR-Agenden von Russland bis Südafrika verantwortlich. In einer zusätzlichen Rolle ist er der HR Business Partner und unterstützt das Senior Management Team für Technology Sales für die gleiche Region.

Ruth Seliger

Ruth Seliger

Geschäftsführende Gesellschafterin von trainconsulting, systemische Beraterin für umfassende Veränderungsvorhaben in Organisationen und Entwicklung von Führung, Mitglied der ÖGGO
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